TIEFE WUNDEN EINER SEELE – ODER EINSICHT KANN SEHR WEHTUN – KURZE GESCHICHTE AUS DEM LEBEN

Guido Kreft, Autor von Mitten im Leben und zwischen zwei Welten

Kurzgeschichte zum Thema „Wir sind auf Erden um zu lernen“ von Guido Kreft

Diese Kurzgeschichte ist nicht Inhalt des oben benannten Buchtitels. Es werden aber ähnliche Themen im Buch behandelt.

Tiefe Wunden einer Seele … oder Einsicht kann sehr wehtun (basierend auf einer wahren Begebenheit…)

Es war wieder einmal Ostern. Die schönste Zeit des Jahres für mich überhaupt. Ich denke, die meisten Kinder mochten Weihnachten viel lieber, denn da gab es schließlich auch die großen Geschenke. Ganz abgesehen von den vielen Köstlichkeiten, mit denen man eine solche Zeit schon früh in Verbindung bringt. Ich aber war zu Ostern der glücklichste Junge auf Erden, denn diese Zeit verbrachte ich meist mit meinen Großeltern, auf ganz besondere Weise. Zu unseren Ritualen gehörte natürlich auch die spannende Suche nach den begehrten Schokoladeneiern, die der nette Osterhase ja bekanntlich verteilt. Dazu suchten meine Großmutter und ich immer einen ganz besonderen, magischen Ort auf. Es war ein kleiner Park, der heute noch existiert und in der Nähe des Hauses meiner Großeltern lag. Jeden Ostersonntag und manchmal auch den Montag darauf, wiederholte sich dasselbe und zugleich doch immer wieder neue und aufregende Ereignis. Nämlich die Eier zu suchen, die meine Großmutter auf der Wiese verteilte, während ich gerade abgelenkt war. Zum Beispiel mit der Suche nach den zuvor bereits versteckten Süßigkeiten. Obwohl ich meine Oma beinahe immer im Blick hatte, fiel es ihr nicht besonders schwer die Eier mit einem schnellen Wurf auf die Wiese zu befördern, ohne dass ich es bemerkte. Abgesehen davon, war ich natürlich fest überzeugt, der Osterhase würde diese schwierige Aufgabe persönlich erledigen. Etwas komisch kam es mir dann wohl doch immer vor, dass auch nach längerer und erfolgreicher Suche, die Menge der präsentierten Schokoeier sehr überschaubar blieb. Ich rannte den halben Tag über die Wiese und freute mich einfach, eben wie ein kleines Kind, über diesen herrlichen und für mich, ganz besonderen Tag. Jedem der uns entgegen kam, musste ich dies natürlich lautstark mitteilen, wie meine Großmutter mir viele Jahre danach, noch immer mit einem Grinsen über das ganze Gesicht, berichtete. Beinahe jeder im Park erfuhr durch mich, dass Ostern war und der Osterhase mich reichlich mit bunten Eiern bedacht hatte. Einige waren stur, wie meine Großmutter mir später mitteilte. Andere machten sich ebenfalls einen Spaß daraus und taten so, als wären sie besonders erstaunt über diese frohe Kunde. Aber auch die Gleichgültigkeit und Ignoranz einiger Zeitgenossen, hatte mich in meiner kindlichen Euphorie nicht ausbremsen können. Meine Großmutter meinte, man hätte regelrecht gespürt, dass ich die Freude einfach mit jedem teilen wollte, auch wenn ich meine Schokoladeneier dabei lieber für mich behielt. All das ist für mich bis heute so deutlich in Erinnerung geblieben, als wäre es gestern erst geschehen. Ebenso unvergessen ist die Liebe, die meine Großeltern mir schenkte.
Es kam leider eine Zeit, in der ich besonders meiner Großmutter gegenüber versäumt habe, diese Liebe zu erwidern. Sie nahm sich eines Tages das Leben und stürzte sich vom zwanzigsten Stockwerk eines Hochhauses, indem sie zuletzt wohnte. Erst viele Jahre später begriff ich die wichtigste Botschaft die, besonders in den Erlebnissen dieser gemeinsamen Osterzeit, an diesem magischen Ort unseres Rituals und in ihrer bedingungslosen Liebe zu finden war. Es ist nicht maßgebend, wie viel man im Leben an materiellen Werten ansammelt und behalten möchte. Aber die Wärme im Herzen, angefüllt mit Liebe, Freude, Verständnis sowie den Erkenntnissen an denen man selbst wachsen durfte, sollte jeder mit anderen teilen. Genau das war es, dem ich damals in der Kindheit noch folgte. Ich teilte die Freude und Herzlichkeit mit allen Menschen im Park. Ich gab damit instinktiv und ohne zu zögern all das weiter, auf das es wirklich ankam. Bis ich dann erwachsen wurde und vergaß.
Eine lange Zeit hatte ich an meiner Schuld, die ich mir selbst einredete, schwer zu tragen. Damals machte ich mir schwere Vorwürfe und gab mir eine Mitschuld an der Entscheidung meiner Großmutter, freiwillig aus dem Leben zu treten. Denn Herzlichkeit und Verständnis waren die Werte, von denen ich „ihr“ leider zu wenig entgegenbrachte und vielleicht zerbrach sie sogar ein Stück weit daran. Eine Erlösung von meinen bohrenden Schulgefühlen konnte mir, aus meiner damaligen Sicht, nur ein einziger Mensch im ganzen Universum schenken…

Einige Jahre nach ihrem Freitod hatte ich wieder Kontakt zu meiner Großmutter. Als die Zeit der größten Trauer überwunden war, schien ich wieder empfänglich für das zu sein, was manche “sensitive bzw. mediale Kontaktaufnahme zum sog. Jenseits” nennen. Ich befasste mich wieder intensiv mit dem Leben nach dem Tod und allem was auch nur entfernt damit zu tun hatte. Wie ich feststellten konnte, hatte meine Großmutter all das mitbekommen und als die Zeit reif dafür war, teilte sie mir folgende Worte mit: „Kind, niemand hat Schuld! Es ist gut so.“ Eine weitere Botschaft habe ich dann auf andere Weise empfangen. Sie übermittelte mir, dass sie nun denen helfen würde, die aus Verzweiflung ein ähnliches Schicksal gewählt hätten, wie sie einst selbst. Sie hat mir damals meine Schuld an ihrer Entscheidung abgesprochen und ich fühlte wie mir eine Last von der Seele wich. Doch wie vielen Menschen tun wir auf dieselbe Weise weh und verlieren keinen weiteren Gedanken darüber?…

Die Brücke auf dem Buchcover (Bild oben) ist in jenem Park, in Mülheim a.d. Ruhr zu finden, in dem ich mit meiner Großmutter bis vor ca. 46 Jahren Ostereier sammelte. Sie ist für mich bis heute ein Symbol einer glücklichen, behüteten Kindheit und eine wundervolle Erinnerung an meine Großeltern. – Wir alle sind nur hier um zu lernen…

von Guido Kreft – Autor von Mitten im Leben und zwischen zwei Welten“….

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TIEFE WUNDEN EINER SEELE – ODER EINSICHT KANN SEHR WEHTUN – KURZE GESCHICHTE AUS DEM LEBENstrong>
Erschienen im BLOG “Lebe das Leben” von Ralf Hillmann


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4 Comments

  1. Wenn ich den Satz höre: Niemand ist schuld! Errinnert mich das sofort an den Film “Good Will Hunting”, in dem Robin Williams als Psychologe einem missbrauchten Jungen (Matt Damon) sagt, dass er nicht Schuld daran ist, dass er missbraucht wurde und er dann weinend in seine Arme fällt. Es ist schon sehr absurd, dass derjenige, der missbraucht wurde auch noch denkt, dass er Schuld daran wäre. Aber gerade eine verletzliche Kinderseele zieht anscheinend den Schluss, dass alles was ihm passiert, seine eigene Schuld sein muss. Ich bin auch der Meinung, dass Schuld oft nichts Reales ist und wir uns davon lösen sollten. Auch wenn es in unserer Natur liegt das Gegenteil zu tun.

    Antworten
    • Hallo Blueline, ich könnte mir vorstellen, dass Kinder die Schuld bei sich suchen, weil sie gelernt haben, sich schuldig zu fühlen. Wir alles lernen das. Ich glaube nicht, das Schuld etwas Natürliches ist. Ich habe mich weitestgehend von dem Gefühl mich schuldig für irgendetwas zu fühlen. Befreien können. Wir alle machen Fehler und wir alle tun auch mal Dinge, die uns später leid tun. Sich dafür schuldig zu fühlen bringt niemandem was. Stattdessen kann man aufrichtig trauern und bedauern, über das, was man getan bzw. verursacht hat. Wie du schon sagst, wir sollten uns davon lösen. Vielen Dank für deine Zeilen.

      Viele Grüße – Ralf

      Antworten
  2. Sylviana

     /  26. April 2016

    eine sehr schöne Geschichte die mich sehr berührte, der Satz “niemand ist schuld” ist mir unverständlich … zur Zeit bin ich seelich sehr angeschlagen … meine angebliche Freundin hat zum viertenmal in Folge meinen Geburtstag vergessen … es schmerzt weil gerade sie es ist … ich kann ihre Ausreden nicht akzeptieren zumal mein Datum ein unvergessenes ist für jeden Menschen … ich habe mich abgewandt, was mir noch mehr weh tut, als dass sie meinen Geburtstag vergessen hat … meine Frage: Wer trägt hier die Schuld ? Danke für Ihre Antwort

    Antworten
    • Liebe Sylviana, ich danke dir für deine Zeilen. Auf deine Frage zu antworten ist nicht ganz einfach, denn ich weiß ja von der Situation im Grunde nichts. Ich persönlich glaube nicht an Schuld. Schuld ist nichts Natürliches, sondern es ist eine Erfindung der Menschen. Schuld entsteht aus dem Gefühl heraus, etwas getan zu haben, für dessen negative Auswirkungen man sich verantwortlich fühlt. Warum kann man nicht einfach dieses Wort verwenden: “Verantwortung”. Verantwortung klingt allein schon anders als Schuld. Das Wort Schuld ist sehr sehr schwer besetzt. Für eine Situation ist nie eine Person allein Verantwortlich. Schauen wir uns mal deine Situation an: Die Freundschaft zwischen dir und deiner Freundin gestaltet sich nicht so, wie du es wünschst. Wer ist daran Schuld? Man kann das nicht beantworten, denn es kommt immer auf die Perspektive an, aus der heraus man sich die Situation anschaut. Deine Freundin kann nichts dafür, dass du ganz bestimmte Erwartungen an eine Freundschaft hast. Du kannst nichts dafür, dass deine Freundin nun einmal so ist, wie sie ist. Für alles gibt es immer Gründe. Deine Freundin vergisst deinen Geburtstag. Du bewertest das mit deinem Maßstab. Du denkst, das kann keine Freundin sein, wenn sie meinen Geburtstag vergisst. Vielleicht hast du Recht. Vielleicht bist du ihr nicht wirklich wichtig. Aber allein die Tatsache, dass sie deine Geburtstag immer wieder vergisst und vielleicht auch ansonsten nicht sehr aufmerksam ist, kann auch ganz andere Gründe haben. Gründe, die wir vielleicht auch gar nicht verstehen können. Ich habe auch schon manchmal vergessen, aufmerksam gegenüber einem Freund zu sein. Ich hatte in dem Moment einfach andere Sorgen oder einfach andere Dinge im Kopf. Ich kenne deine Freundin nicht. Vielleicht hat sie wenig Zeit, aufmerksam zu sein. Es kann Tausende Gründe geben, die alle nichts damit zu tun haben, dass du ihr nicht wichtig bist. Ich finde in einer Freundschaft sollte man über alles reden können und auch immer berücksichtigen, dass wir alle unsere eigenen Erwartungen, Wünsche und Bedürfnisse haben. Wer weiß wie oft sich schon andere über uns geärgert haben, weil wir nicht ihre Erwartungen erfüllt haben. Wir wissen es nicht, denn uns sind die Erwartungen der anderen ja meist gar nicht bewusst. Das ist ein komplexes Thema. Ich habe leider nicht die Zeit ausführlich darauf einzugehen. Du kannst mich gerne einmal anrufen. Dann können wir kurz darüber reden, wenn du möchtest.
      Herzliche Grüße und alles Gute wünsche ich – Ralf

      Antworten

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